François Kohlers Film ist aussagekräftig, aktuell und eine gelungene Darstellung der heutigen Realität, die hinter der Männlichkeitsfrage steckt. Der Film wirft wesentliche Fragen in Zusammenhang mit unserer mehr oder weniger bewussten Suche nach der eigenen Identität – ob männlich oder weiblich – auf.
Wie kann ein Mann heute als Mann leben? Welche Ziele hat er, abgesehen von Karriere und materiellem Erfolg? Welche Beziehung unterhält er zu seinem Vater, wie steht er der Sexualität, der Gewalt gegenüber? Wie wichtig ist es für ihn, eine Nachkommenschaft zu zeugen? Wohin entwickelt sich seine Beziehung zu den Frauen, zu Kindern, zu anderen Männern?
François Kohler hat den richtigen Weg gefunden, dieses Thema anzugehen. Lobenswert ist insbesondere, wie er es fertig gebracht hat, den nötigen vertraulichen Rahmen zu schaffen, ohne den ein Film wie Le souffle du désert nicht möglich wäre, wo es um eine Erfahrung geht, bei der die männlichen Teilnehmer einen sehr intimen Teil ihrer Seele erkunden und offen legen.
Die tunesische Wüste als Drehort dient keineswegs nur der Anekdote. Die Wüste versetzt die Teilnehmer nicht nur in einen neutralen Kontext, sondern bietet zudem eine fotografisch und dramaturgisch sehr attraktive Kulisse, auch wenn eine „Road“-Doku dieser Art eine besondere Logistik erfordert, sowohl für die Ton- als auch für die Bildaufnahmen.
Der zunächst als TV-Produktion gedachte Film überzeugte durch eine solche Authentizität, dass er sich letzten Endes für die grosse Leinwand anbot. Darüber hinaus birgt Le souffle du désert eine Fülle von Lesarten. Hierdurch eignet er sich für diverse Themenabende mit Diskussionsrunden, beispielsweise in Anwesenheit von Männern, die an dieser Erfahrung teilgenommen haben, oder von Therapeuten oder sonstigen Persönlichkeiten, die sich mit diesem Thema beschäftigen.
Wir freuen uns, dem Publikum einen Film präsentieren zu können, der – wie wir hoffen – dazu beitragen wird, dass der Zuschauer in seinen eigenen Fragestellungen vorankommt. Wir danken den Teilnehmern dieses Dokumentarfilms für das aufgebrachte Vertrauen und für ihre Offenheit.
Heinz Dill und Xavier Grin
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